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Der Kosovokrieg – 20 Jahre später finden Roma noch immer keine Ruhe

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Der Kosovokrieg – 20 Jahre später finden Roma noch immer keine Ruhe

Am 24. März 1999 begann die NATO ihre 78tägige Bombardierung Jugoslawiens. Begründet wurde dieser Krieg vor allem seitens der rot-grünen Bundesregierung mit einem vermeintlich drohenden Genozid an den Kosovo-Albanern durch die Regierung Jugoslawiens, den es zu verhindern gelte. Diese Behauptung sollte die Beteiligung an einem Krieg rechtfertigen, der ohne UN-Mandat und ohne vorangehenden Angriff auf ein NATO-Land (Bündnisfall) geführt werden sollte. Es war der erste völkerrechtswidrige Angriffskrieg, den die NATO führte, und stellte damit einen Tabubruch dar, der weiteren Kriegen den Weg bereiten sollte.

Besonders dass Deutschland sich an einem solchen Krieg beteiligte und dabei die eigene Geschichte („Nie wieder Auschwitz!“ Joschka Fischer) zur Rechtfertigung heranzog, macht fassungslos. Im Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen Jugoslawien besetzt und zusammen mit ihren Verbündeten Roma verfolgt, deportiert, ermordet. Gerade Roma waren nun die Hauptleidtragenden eines neuen, von Deutschland mitgetragenen Krieges, der mit einem vermeintlich drohenden Völkermord gerechtfertigt wurde.

120000 Roma wurden von der kosovo-albanischen Mehrheitsbevölkerung vertrieben, nachdem sie 600 Jahre in diesem Gebiet gelebt hatten. Sie wurden ihres Eigentums, vor allem ihrer Häuser, beraubt, das sie bis heute nicht zurück bekommen. Viele derer, die Vertrieben wurden, flohen in die angrenzenden Gebiete, einige kamen nach Deutschland oder andere Länder der Europäischen Union.

Roma, die nach Deutschland flohen, waren zwar erstmal sicher vor Krieg, aber sie hatten keinen sicheren Aufenthalt. Über Jahre oder gar Jahrzehnte haben viele von ihnen mit einer Duldung, also in permanenter aufenthaltsrechtlicher Unsicherheit gelebt. Neben den Traumatisierungen durch den Krieg hatte und hat auch diese Unsicherheit fatale Folgen für ihre Gesundheit. Auch ihre Kinder, die hier geboren und aufgewachsen sind, leben noch häufig in dieser unsicheren Situation und können abgeschoben werden, obwohl sie hier zu Hause sind und das Kosovo noch nie gesehen haben und kein Albanisch sprechen.

Diskriminierung gegen Roma ist im Kosovo nach wie vor an der Tagesordnung. Sie werden dort in allen Bereichen des alltäglich Lebens systematisch ausgegrenzt, sei es im Bildungssystem, auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt oder im medizinischen Bereich. Zudem werden sie Opfer von Gewalttaten. Für sie gibt es dort keine Zukunft. Daher fliehen die Abgeschobenen immer wieder zurück nach Deutschland. Und von hier werden sie wieder abgeschoben. Weder hier noch dort können sie eine Heimat finden.

Bis heute übernimmt niemand die Verantwortung für die Folgen des Krieges. Nach dem Holocaust und dem Kosovokrieg wäre es das Mindeste, dass Roma in Deutschland ein Bleiberecht bekämen.

Siehe auch: Der Kosovokrieg und seine Folgen für Roma

sowie: Kritik an der UN im Fall der Bleivergiftung: Hunderte Roma-Familien im Kosovo warten auf Entschädigung

kosovo1999.

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