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Roma-Helden: Der „schwarze“ Partisan Josef Serinek

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Roma-Helden: Der „schwarze“ Partisan Josef Serinek

Josef Serinek (1900-1974; manchmal auch Serynek geschrieben), ein tschechischer Rom mit dem Decknamen Černý („Schwarz“), war Soldat während des Ersten Weltkriegs, Gefangener im Konzentrationslager Lety während des Zweiten Weltkriegs und später ein Partisanen-Kommandant. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs führte er eine Kneipe namens U černého partyzána („Zum schwarzen Partisanen“) in der tschechischen Stadt Svitavy.

Am 3. August 1942 wurden Josef, seine Frau und ihre fünf Kinder verhaftet und durch die Gendarmerie des Protektorats Böhmen und Mähren in das Lager Lety bei Písek verschickt. All seine Kinder und seine Frau starben irgendwann entweder hier oder später in Auschwitz-Birkenau.

Josef floh zusammen mit seinem Bruder Karel am 15. September 1942 aus dem Lager, nachdem der Rest seiner Familie entweder tot oder nach Birkenau verschickt worden war. Er mochte das Töten und den Krieg nicht und litt noch immer unter seinen traumatischen Erfahrungen der Schützengrabenkämpfe im Ersten Weltkrieg.

Er wollte dennoch seine Familie rächen, daher brachen er und sein Bruder in einige Jagdhütten ein und bewaffneten sich mit Jagdwaffen. Im Frühjahr 1943 starb sein Bruder Karel im Kampf mit der  zahlenmäßig weit überlegenen Gendarmerie, die von den Nazis geführt wurde, um die Wälder Südböhmens auf der Suche nach Partisanen zu durchkämmen.

Josef floh und zog in die Vrchovina, wo er Kontakt zu der Widerstands-Gruppe R3 herstellen konnte und eine Partisanen-Division aufbaute, die in erster Linie aus geflohenen sowjetischen Kriegsgefangenen bestand. Die Division nannte sich später Čapajev, aber sie war, abgeleitet von der Hautfarbe ihres Kommandanten, besser bekannt unter dem Namen Černý („Schwarz“).

Eine der bekanntesten Kampfhandlungen der Division war die Strafexpedition gegen die Gendarmerie in Přibyslav am 2. Oktober 1944, die General Luža, einen der Kommandanten des R3, erschossen hatte. Berichten zufolge nahm Josef nie jemanden gefangen und erinnerte sich stets der Gräueltaten und Verbrechen, die gegen die schutzlosen Gefangenen des Lagers Lety begangen worden waren.

Es wird gesagt, bei Ende des Krieges, als die Kämpfe beendet waren, habe Serinek ungewöhnliches Mitgefühl mit dem geschlagenen Feind gezeigt. Mehr als einmal hat er Hinrichtungen an besiegten Soldaten der Wehrmacht verhindert oder das Lynchen deutscher Zivilist_innen.

Josef Serinek hat seine Memoiren in den 1960er Jahren einem Historiker namens Tesař diktiert. Derzeit sind sie bereit, veröffentlicht zu werden.

Während seine eigenen Kinder den Krieg nicht überlebten, leben die Kinder, Enkelkinder und Urenkelkinder seines Bruders Karel heute in Příbram und Umgebung. 2014 brachte ich Karel Serineks Enkelin und Urenkelin zur Schweinefarm in Lety, auf der einige ihrer Familienmitglieder gestorben waren.

Es war das erste Mal, dass sie den Ort besuchten. Zusammen warfen wir Blumen über den Zaun der Farm auf die Haufen mit Schweinemist.

Ein kommentar

  1. Herbert Scholle

    Heute, am Roma- und Sinti-Gedenktag habe ich wieder einmal die Webadresse vom Bundesromaverband
    aufgeschlagen. Ich bewundere das Mitgefühl, das Josef Serinek für deutsche Kriegsverbrecher
    aufbringen konnte; das obwohl die Deutschen ihm das Leben zur Hölle machten.

    Leider muss ich heute mit Bedauern feststellen, dass seitdem Tschechien nicht mehr ein
    sozialistisches Land ist, wieder dort Roma und Sinti verfolgt werden!

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